Zusammenfassung des Präventions- und Kinder- und Jugendschutzkonzepts des BG/BRG Wien XXII Contiweg:
Das Präventions- und Kinder- und Jugendschutzkonzept des BG/BRG Wien XXII Contiweg verfolgt das übergeordnete Ziel, Kinder und Jugendliche wirksam vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt zu schützen und ein respektvolles, achtsames Schulklima zu fördern. Gewalt in jeglicher Form wird klar abgelehnt. Das Konzept basiert auf dem Grundgedanken der Achtsamkeit, verstanden als bewusste, wertfreie Wahrnehmung von Situationen und Beziehungen im schulischen Alltag.
Grundhaltung und Zielsetzung
Der Schwerpunkt des Konzepts liegt auf struktureller Prävention. Neben der Stärkung der Schüler/innen sollen vor allem schulische Rahmenbedingungen, klare Abläufe, transparente Zuständigkeiten und verlässliche Unterstützungsstrukturen geschaffen werden. Ein besonderes Anliegen ist es, das Thema sexualisierte Gewalt zu enttabuisieren, offen anzusprechen und klare Haltungen sowie Handlungswege für Verdachtsfälle, Grenzverletzungen und Übergriffe zu definieren – sowohl im privaten Umfeld der Kinder als auch innerhalb der Schule.
Das Konzept versteht sich ausdrücklich als lebendiges Arbeitspapier, das regelmäßig reflektiert, weiterentwickelt und an die Gegebenheiten des Schulstandortes angepasst wird. Es soll Mindeststandards sichern, Orientierung geben und allen am Schulleben Beteiligten mehr Handlungssicherheit vermitteln.
Analyse des IST-Zustandes
Ein zentraler Bestandteil des Konzepts war die IST-Analyse, die mithilfe standardisierter Fragebögen durchgeführt wurde. Dabei wurden Schulklima, Strukturen, Abläufe, Räume und Regeln in Hinblick auf den Kinderschutz überprüft. Ziel war es, bereits umgesetzte Maßnahmen sichtbar zu machen, mögliche Risiken zu erkennen und gezielte Weiterentwicklungen zu planen. Die bisherige Analyse hat gezeigt, dass ein Ausbau der Präventionsmaßnahmen sinnvoll ist, weshalb konkrete Ziele für die folgenden Schuljahre formuliert wurden.
Prävention mit Schüler/innen
Die Präventionsarbeit mit Schüler/innen ist jahrgangsspezifisch aufgebaut und berücksichtigt die altersentsprechenden Bedürfnisse und Lebenswelten der Kinder und Jugendlichen:
- 5. Schulstufe: Gewaltprävention
- 6. Schulstufe: Sicherheit im Internet und in sozialen Medien
- 7. Schulstufe: Aufklärung und Sexualerziehung
- 8. Schulstufe: Körperwahrnehmung und Awareness
Ein wesentliches Ziel ist es, dass Schüler/innen ihre Rechte, insbesondere das Recht auf körperliche Unversehrtheit und Schutz vor sexualisierter Gewalt, kennen. Zur Umsetzung wurden u. a. ein Achtsamkeitsteam aus vier Lehrkräften eingerichtet, externe Workshops für alle Unterstufenklassen etabliert, Beratungslehrkräfte zu Schuljahresbeginn vorgestellt und interne Ressourcen sichtbar gemacht.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Vermittlung von Anlauf- und Hilfsstellen. Sowohl schulinterne als auch externe Unterstützungsangebote werden aktiv kommuniziert (z. B. durch Plakate, Flyer, Informationsbereiche und persönliche Vorstellung in den Klassen).
Besonderes Augenmerk gilt dem Beschwerdemanagement. Schüler/innen sollen ermutigt werden, Missstände, Grenzverletzungen oder unangemessenes Verhalten zu melden. Beschwerden sollen niederschwellig, anonym oder persönlich möglich sein und zeitnah bearbeitet werden. Vertrauenspersonen (z. B. Klassenvorstände, Achtsamkeitsteam, Beratungslehrerin, Schulärzt/innen) fungieren als erste Anlaufstellen und beziehen bei Bedarf die Schulleitung ein.
Offene Gespräche über Gefühle, Berührungen und persönliche Grenzen sind ein fester Bestandteil der Präventionsarbeit. Diese erfolgen durch externe Fachkräfte, schulinterne Expert/innen sowie durch den gezielten Einsatz geeigneter Unterrichtsmaterialien. Altersgerechte Sexualerziehung wird insbesondere in der 7. Schulstufe vertieft und auch im regulären Unterricht gemäß Lehrplan umgesetzt.
Auch die digitale Lebenswelt der Schüler/innen wird in die Präventionsarbeit einbezogen. Themen wie Datenschutz, sichere Online-Kommunikation, Fake News und verantwortungsvoller Umgang mit persönlichen Informationen werden vor allem im Rahmen externer Workshops und des Unterrichtsfachs Digitale Grundbildung behandelt.
Verhaltenskodex
Der umfassende Verhaltenskodex bildet einen zentralen Bestandteil des Kinderschutzkonzepts. Er definiert verbindliche Standards für Nähe und Distanz im schulischen Alltag und schafft sowohl Schutz für Schüler/innen als auch Orientierung und Sicherheit für Lehrkräfte und weiteres Personal.
Der Kodex thematisiert typische heikle Situationen, die Teil des pädagogischen Alltags sind, etwa körperlicher Kontakt im Sportunterricht, emotionale Ausnahmesituationen, Einzelsituationen, schulärztliche Untersuchungen oder mehrtägige Schulveranstaltungen. Dabei werden u. a. folgende Grundsätze festgelegt:
- Wahrung der Privatsphäre und Freiwilligkeit
- Transparenz und professionelle Distanz
- Offene Türen und klar geregelte Rahmenbedingungen bei Einzelsituationen
- Vermeidung abgeschiedener oder uneinsichtiger Räume
- Klare Regeln für Kommunikation, Sprache, Geschenke, Fotos/Videos und digitale Kontakte
- Verbot von Liebesbeziehungen zwischen Lehrkräften und Schüler/innen
- Vermeidung von außerschulischem Kontakt
Der Kodex fördert eine respektvolle, wertschätzende Kommunikation und erleichtert es dem Kollegium, irritierende Situationen offen anzusprechen. In fachlich begründeten Ausnahmefällen kann von Standards abgewichen werden, jedoch nur unter größtmöglicher Transparenz gegenüber allen Beteiligten.
Notfalls- und Interventionsplan
Für Verdachtsfälle, Irritationen oder bestätigte Übergriffe existiert ein klar strukturierter Notfalls- und Interventionsplan, der regelmäßig evaluiert wird. Dabei wird nicht nur der Umgang mit schweren Vorfällen, sondern auch mit weniger eindeutigen Grenzverletzungen definiert.
Zentral ist ein fest etabliertes Krisenteam, bestehend aus Schulleitung, erfahrenen Lehrkräften, Präventionsteam, Schulpsychologie und weiteren unterstützenden Personen. Das Team trifft sich mindestens zweimal jährlich zur Reflexion des Schulklimas und wird bei jeder Beschwerde oder Irritation einberufen.
Im Krisenfall gelten folgende Standards:
- Ruhe bewahren und strukturiert vorgehen
- Unterstützung für alle Beteiligten sicherstellen
- Klare und abgestimmte Kommunikation mit internen und externen Stellen (z. B. Schulaufsicht, Kinder- und Jugendhilfe, Polizei, Eltern)
- Sorgfältige und frühzeitige Dokumentation aller Beobachtungen und Aussagen
Evaluation und externe Unterstützung
Das Konzept sieht regelmäßige Evaluationen mittels Fragebögen vor, die verschiedene Perspektiven (Schüler/innen, Lehrkräfte, unterstützendes Personal) berücksichtigen. Ergänzend wird eine Übersicht relevanter Beratungs- und Hilfsstellen in Wien bereitgestellt, um im Bedarfsfall rasch professionelle Unterstützung einzubinden.
Gesamtausrichtung
Insgesamt schafft das Präventions- und Kinderschutzkonzept einen klaren, transparenten und verbindlichen Rahmen für den Schutz von Kindern und Jugendlichen. Es stärkt die Sensibilität aller Beteiligten, fördert Offenheit im Umgang mit schwierigen Themen und trägt nachhaltig zu einem sicheren, respektvollen und achtsamen Schulklima bei.
Monika Auböck
Direktion
Jänner 2026